Geschichte des Spielmannszug Oestinghausen 1913 e.V.

 

Im Jahre 1913 wurde eine Schülerkapelle durch den damaligen Hauptlehrer der Volksschule gegründet. Elf Schüler der Oberklasse wurden im Flöten- und Trommelspiel ausgebildet. Diese Jungen kamen 1915 in die neu formierte Jugendwehr. Ausbilder dieser Formation war der befreundete Lehrerkollege Hüring, Leutnant der Reserve aus der Soester Garnison. Unter seiner Leitung erweiterte sich das Korps und spielte erstmals zu Kaisers Geburtstag 1916 bei einem Umzug zum Ehrenmal öffentlich auf. Die Verantwortung und die Leitung auf örtlicher Ebene hatten der Herr Pastor und der Hauptlehrer.

 

Die Jugendwehr machte ihre eigene Marschmusik und begleitete die eingezogenen Männer des Dorfes zu Beginn des 1. Weltkrieges zum Abschied zur Bahn.

 

Die Jugendwehr löste sich wegen des 1. Weltkrieges auf.

 

Die Spielleute formierten sich 1919 neu zum Tambourkorps Oestinghausen. Als Uniform wurden einheitliche Mützen und ein dunkler Anzug mit aufgesteckten Schwalbennestern getragen. Jeder Spielmann hatte für seine Uniform und sein Instrument selbst zu sorgen.

 

Unter der Leitung des neu gewählten Tambourmajors Franz Schenkel gründete sich jetzt aus den Mitgliedern der ehemaligen Jugendwehr der Tamburkorps Oestinghausen.

 

Der Ehrenamtmann Herr Weihmann organisierte ein Heimkehrfest für die in die Heimat zurückgekehrten Kriegsgefangenen. Hier spielte der Tambourcorps mit vier Mann, drei Flöten und eine Trommel. Dieses waren Franz Schenkel, Bernhard Dieckmann, Heinrich Huneke und Gottfried Dabrock.

 

Am Montag nach dem Heimkehrfest spielte der Tambourkorps zum ersten Mal auf dem Oestinghauser Schützenfest.

 

Nach dem Schützenfest wurde eine Neuausbildung organisiert. Es meldeten sich 20 Interessierte. Die Ausbildung brachte organisatorische und finanzielle Probleme mit sich. Mit Beihilfen oder Unterstützung konnte nicht gerechnet werden. Für sein Instrument musste jeder selbst sorgen.

 

Als wurden lediglich die einheitlichen Mützen zum dunklen Anzug mit Schillerkragen und Schwalbennestern an den Jackenärmeln getragen. Der Tambourmajor trug zusätzlich eine Schärpe.

 

In den Jahren 1921 und 1922 ging die Blütezeit wieder schnell vorbei. Das Vereinsleben und –streben ging nicht zielstrebig in eine Richtung und der Verein wurde wieder kleiner. Nur noch neun Spielleute waren im Jahr 1922 Mitglied.

 

Die erste einheitliche Uniform wurde 1923 angeschafft und von jedem Spielmann selbst bezahlt. Die Uniformen waren aus einem khakifarbenden Baumwolldrill gearbeitet.

 

Musste der Tambourkorps bis jetzt noch bitten, auf Festen wie den Schützen-, Krieger-, und Sängerfesten spielen zu dürfen, wurde es seit dieser Zeit als selbstverständlich angesehen.

 

Nach dieser sehr aktiven Zeit folgte ab 1930 dann auf Grund der schlechten Verhältnisse wie der hohen Arbeitslosigkeit und der sich anbahnenden politischen Veränderungen Stillstand und Rückgang im Vereinsleben. Es wurde lediglich nur noch auf dem Schützenfest gespielt.

 

1933 wurde das erste Mal auf dem Schützenfest in Brockhausen aufgespielt.

 

1939 begann der Zweite Weltkrieg und die Spielleute wurden nach und nach zum Militärdienst eingezogen. Dorffeste wurden nicht mehr gefeiert.

 

1948 wurde erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg wieder Schützenfest gefeiert. Unter der Leitung von Bernhard Diekmann fanden sich vier Spielleute wieder zusammen: Karl Zyprian, Hubert Frerich, Gottfried Dabrock und Anton Lammers. Hubert Frerich war erst eine Woche zuvor aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt. Gefeiert wurde das Schützenfest in Coerdt´s Kamp (heute Niggemeier).

 

Bernhard Dieckmann fing wieder mit der Ausbildung an und bildete den ersten 15-jährigen Spielmann aus.

 

1949 wurde auch wieder in Brockhausen Schützenfest gefeiert. Es fand auf dem Hofe Welkner statt.

 

Langsam kam auch das weitere Vereinsleben im Dorf wieder in Schwung und so wurde im Jahr 1952 erstmals Karneval gefeiert. Der damalige Sitzungspräsident war Hermann Gramen. Der Spielmannszug gehörte zum Programm.

 

Bis zum Jahr 1958 hatte der Spielmannszug noch keine eigene große Trommel. Diese wurde sich immer von der Feuerwehr geliehen.

 

Am 04.06.1963 gab es eine schriftliche Ermahnung an die Spielleute des Spielmannszuges, in der auf die miserablen Leistungen beim Festumzug auf dem Lühringser Schützenfest, durch Tambourmajor Bernhard Dieckmann, hingewiesen wurde.

 

1967 löste Hemlut Köttschneider als aktiver Militärmusiker Bernhard Dieckmann als Tambourmajor ab.

 

Bereits im Jahr 1968 konnte Helmut Köttschneider aufgrund seiner Dienstpflicht das Amt des Tambourmajors nicht mehr ausüben und gab den Stab an Hermann Büttner weiter. Zur Erweiterung des Repertoires wurden Spielleute aus Hovestadt verpflichtet.

 

In Sachen Uniform tat sich 1968 auch etwas. Die heute noch bestehende blaue Uniformjacke wurde angeschafft. Ihren ersten Auftritt hatte diese aber erst im Jahre 1969 beim Sängerfest. Als weitere musikalische Entwicklung wurde eine Lyra für den Verein angeschafft. Der erste Lyraspieler im Verein war Kurt Rosanowski.

 

1971 nahm der Spielmannszug am ersten „Lippetaler Musiktreffen“ mit fünf weiteren Teilnehmern teil. Dieses Treffen wird seitdem jedes Jahr durchgeführt und die Anzahl der teilnehmenden Vereine stieg stetig.

 

1971 wurde auch wieder mit der Ausbildung neuer Spielleute begonnen. Es wurde nach Unterlagen ausgebildet, die lediglich aus Punkten und einem Zahlensystem bestanden. Echte Noten gab es noch nicht.

 

1972 wurden zum ersten Mal Musikstücke zweistimmig eingeübt. Langsam begann man mit der Einführung von Noten, die in Zahlen übersetzt wurden. In Münster wurden beim Musikhaus Lyra sieben neue Trommeln gekauft.

 

Ab 1973 wurde das „Laubfest“ als Einstimmung auf das Schützenfest in Oestinghausen veranstaltet. Zwar hatte man den Wagen für das Schützenfest auch die Jahre zuvor schon in Wiltrop geschmückt, allerdings ohne daraus ein kleines Fest zu veranstalten.

 

Auf der Schützenversammlung 1973 wurde der Spielmannszug gebeten, den Großen Zapfenstreich einzustudieren.

 

Die ersten Spielleute wurden 1974 an der Altflöte ausgebildet.

 

Die silberfarbenen Krawatten wurden durch pinkfarbene ersetzt, die von der Arbeitsgemeinschaft gestiftet wurden und zum ersten Mal bei der Karnevalsveranstaltung präsentiert wurden.

 

1976 trat der Spielmannszug dem im Jahr zuvor neu gegründeten Volksmusikerbund Kreisverband Soest bei.

 

Auf der Jahreshauptversammlung 1982 wurde über die Anschaffung neuer Wappen diskutiert. Die Vereinsmitglieder entschieden sich für das Wappen des „alten Amt Oestinghausen“ und wird auch heute noch als Vereinswappen genutzt.

 

Auf der Jahreshauptversammlung 1983 übergab Hermann Büttner das Amt des Stabsführers an Ludger Schenkel.

 

1995 übernahm Jörg Tiekmann das Amt des Stabführers und des ersten Vorsitzenden von Ludger Schenkel.

 

Seit 1998 spielt der Spielmannszug Oestinghausen auf dem Schützenfest in Lippborg.

 

Nach etlichen Debatten im Vorfeld wurde auf der Jahreshauptversammlung 2000 beschlossen, dass ab sofort Frauen und Mädchen aufgenommen werden dürfen. Auch die letzten Zweifler mussten sich der Tatsache beugen, dass es in einem kleinen Ort wie Oestinghausen schwierig ist, ausreichend Nachwuchs zu fördern, wenn man an der Tradition reiner Männervereine festhält.

 

10.01.2001 wurde auf der Jahreshauptversammlung der Grundstein für die Verselbständigung und Ablösung von der Schützenbruderschaft gelegt. Am 27.01.2001 wurde der Verein „Spielmannszug Oestinghausen 1913 e.V.“ ins Vereinsregister beim Amtsgericht eingetragen.

 

Im Jahr 2005 über nahm Burkhard Niggemeier auf Vorschlag von Jörg Tiekmann das Amt des Tambourmajors.

 

Heute gehören dem Spielmannszug der im Jahr 2013 sei 100 jähriges Bestehen feiern konnte mehr als 90 aktive Musikerinnen und Musiker an. Die jüngsten Mitglieder sind 9 Jahre alt, die ältesten über 60. Das zeigt dass ein Miteinander der Generationen im Spielmannszug Oestinghausen funktioniert.

 

Ausführlichere Informationen finden Sie in der Chronik des Spielmannzug Oestinghausen aus dem Jahr 2013 das Sie über das Kontaktformular oder den bekannten Verkaufsstellen im Ort erwerben können.

 

Die Uniform von heute

Die Uniform besteht aus marineblauen Jacken im zivilen Schnitt, blaue Krawatten, weißer Hose, weißes Hemd, schwarzer Schuhen und weißer Mütze mit einem schwarzen Lackschild. Auf den Ärmelansätzen sind Schwalbennester aufgebracht mit kaminroten und goldenen Streifen. Der Tambourmajor trägt zusätzlich Fransen an den Schwalbennestern. Auf der Brusttasche ist ein Wappen angebracht.

 

Dieses Wappen zeigt aus jahrhunderter alter Tradition des Dorfes Oestinghausen, zum Kurfürstentum Köln einen Schlüssel, ein Attribut des Hl. Petrus, der Schutzpatron des Kölner Fürstbistums sowie des Banner des Kölner Burgmannen im Kurkölnischen Amt Oestinghausen.

 

 

Spielmannszug Oestinghausen 2012